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Agrartrend

Die Vorteile von Smart Farming

13.01.2020
 

Als eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der digitalen Landwirtschaft treibt der BayWa Konzern die Weiterentwicklung des Smart Farming aktiv voran. Ein Gespräch über Chancen und Nutzen einer Landwirtschaft 4.0 mit dem Vorstandsvorsitzenden der BayWa AG Prof. Klaus Josef Lutz.

Sehr geehrter Herr Prof. Lutz, sicherlich hat Smart Farming viele Vorteile für die Landwirtschaft. Aber: Können sich nur große Betriebe eine Digitalisierung leisten? Oder sehen Sie auch Chancen und Einsatzgebiete für Kleine?

Definitiv! Auch für kleine Betriebe rechnet sich Smart Farming. Vor einigen Jahren war die Erstellung und das Auslesen der Daten noch sehr aufwendig und teuer. Durch Fortschritte in der Fernerkundung und mit Hilfe der künstlichen Intelligenz hat sich mittlerweile viel verändert. Heute rechnet sich eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung bereits ab einem 2 Hektar großen Feldstück.

Was für Rückmeldungen haben Sie von Landwirten? Kann Smart Farming wirklich zu Einsparungen beitragen?

Von Landwirten gibt es überaus positives Feedback. Eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PWC) im Jahr 2016 unter Deutschlands größeren Ackerbaubetrieben hat ergeben, dass mehr als die Hälfte aller Betriebe in digitale Technologien investiert hat. Dass sich der Technologieeinsatz lohnt, zeigen die Erfahrungen, die deutsche Landwirte in den letzten Jahren gemacht haben. Fast die Hälfte der Befragten berichtete über eine Steigerung der betrieblichen Prozesseffizienz von durchschnittlich elf Prozent und gleichzeitig über eine Kostensenkung – insbesondere bei den Einsatzmitteln – um durchschnittlich sieben Prozent. Aber nicht nur der Landwirt profitiert von den neuen Technologien. Die Digitalisierung der Landwirtschaft hilft, Ressourcen zu schonen und ihre Nutzung zu optimieren, was auch Umwelt und Verbrauchern zu Gute kommt. Die Landwirte leisten dadurch einen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt. So berichten 48 Prozent der Landwirte über Einsparungen bei Düngemitteln, 42 Prozent verwenden weniger Pflanzenschutzmittel. Solche Umfragewerte freuen uns natürlich! Und ich könnte mir vorstellen, dass sich in der Zwischenzeit die Werte sogar noch verbessert haben.

„Die Digitalisierung der Landwirtschaft hilft, Ressourcen zu schonen und ihre Nutzung zu optimieren, was auch Umwelt und Verbrauchern zu Gute kommt.“

In welchen Bereichen des Digital Farming ist die BayWa AG aktiv?

Die BayWa bietet ihren Kunden einen rundum Service. Seit Jahren bieten wir eine umfassende Pflanzenbauberatung, die dem Landwirt bestmöglich zur Seite steht und mit ihm zusammen ein maßgeschneidertes Konzept für seinen Betrieb ausarbeitet. Technisch können wir von Ackerbaumaschinen mit elektronischen Lenksystemen über eigene Telemetrie (Sensor gestützte Technologie) bis hin zur Datenübertragung, -speicherung und -verarbeitung alles liefern. Dazu bieten wir mit unserer Konzerngesellschaft „FarmFacts“ ein modular aufgebautes Farm-Management-System an. Mit VISTA, einer Unternehmensbeteiligung, verfügt die BayWa über die Kompetenz, Satellitendaten für die Landwirtschaft aufzubereiten und für den Einsatz im Feld zur Verfügung zu stellen. Ganz neu im Programm haben wir das Software-Modul NEXT Machine Management von FarmFacts. Mit dieser neu entwickelten digitalen Lösung ermöglichen wir die Kompatibilität zwischen Maschinen und Geräten unterschiedlicher Fabrikate, sind somit grundsätzlich für alle Datenquellen offen und steigern die Herstellerunabhängigkeit der Landwirte. Damit wird eines der größten Investitionshemmnisse in Digital Farming gelöst.

Welche Anwendungen sind am meisten verbreitet? Und welche Anwendungsgebiete sind in der Zukunft denkbar bzw. ausbaufähig?

Am weitesten verbreitet sind sicherlich per GPS gesteuerte Traktoren. Die teilflächenspezifische Bewirtschaftung wird am häufigsten bei der Düngung der Flurstücke eingesetzt, während der teilflächenspezifische Pflanzenschutz dagegen eher noch in der Erprobungsphase ist.

Ein neues Anwendungsgebiet stellt die Obsternte per Pflückroboter dar. Besonders bei der Apfelernte steht die automatische Ernte vor großen Herausforderungen. Auf einer Apfelplantage ist kein Baum wie der andere. Die Böden sind oft uneben und die Äpfel wachsen teilweise auch an schwer erreichbaren Stellen. Hier konnten wir in letzter Zeit große Fortschritte machen. In der Apfelernte in Neuseeland hat die BayWa-Tochter T&G Global erstmals kommerziell genutzte Pflückroboter eingesetzt. Die Ernte ist arbeitsintensiv und erfordert saisonale, oft knapp verfügbare Arbeitskräfte. Roboter helfen bei Engpässen, verbessern die Produktivität und erleichtern die schwere körperliche Arbeit. Nicht zuletzt deswegen fördern wir auch selbst Innovationen in diesem Bereich zum Beispiel durch Kooperationen mit entsprechenden Unternehmen oder auch durch die sogenannte Robotics Challenge, bei der es darum geht, mit jungen Unternehmen neue Lösungen für den Einsatz in der Landwirtschaft, speziell für die Bereiche Unkrautbekämpfung sowie Obst- und Gemüseernte zu finden.

„Am weitesten verbreitet sind sicherlich per GPS gesteuerte Traktoren. Die teilflächen-
spezifische Bewirtschaftung wird am häufigsten bei der Düngung der Flurstücke eingesetzt.“

Welchen Nutzen hat der Verbraucher von der Digitalisierung der Landwirtschaft?

Ein geringerer Verbrauch von Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmitteln, davon profitieren wir alle. Verbraucher haben aber auch einen weiteren Nutzen von einer Digitalisierung. Der Supermarktkunde möchte heutzutage genau wissen, wo das gekaufte Obst und Gemüse herkommt. Die Wertschöpfungskette – vom Erzeuger über den Händler bis zum Einzelhandel – wird zunehmend digitalisiert und damit auch für den Verbraucher transparenter. Möglich macht dies die sogenannte Blockchain-Technologie. Dies ist eine spezielle Datenbank, die öffentlich für alle Teilnehmer zugänglich, aber gleichzeitig fälschungssicher ist. Diese Datenbank enthält viele „Blöcke“ mit spezifischen Informationen. Im Laufe der Produktion werden immer mehr dieser Blöcke mit Informationen angehängt. Jeder Beteiligte, also die Landwirte, Händler oder Banken tragen ihre Informationen ein, so wird die gesamte Wertschöpfungskette transparent und fälschungssicher dokumentiert. Der Kunde und Endverbraucher weiß am Ende also genau woher die Gurke kommt, die er kauft.

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