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Agrartrend

Klimawandel: Das halbe Grad

06.08.2019
 

Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen: Mit Extremwetterereignissen musste die Agrarwirtschaft seit jeher umgehen. Doch die Anzahl solcher Wetterlagen nimmt rasant zu. In Deutschland. In Europa. Auf dem gesamten Globus. Das fordert naturgemäß die Landwirte im besonderen Maße, sich an die Veränderungen anzupassen – und zugleich den eigenen Beitrag zu den Treibhausgasemissionen zu verringern.

Im zurückliegenden Juni 2019 erlebte die Welt gerade erst einen neuen Hitzerekord. Im Durchschnitt – so der von der EU betriebene Copernicus-Klimawandeldienst (Copernicus Climate Change Service, C3S) – überschritten die weltweiten Temperaturen die bisher höchste Marke vom Juni 2016 um 0,1 Grad. Besonders stark war Europa betroffen. Hier lagen die Temperaturen im Schnitt zwei Grad höher als gewöhnlich. Gleich um 10 Grad über das normale Niveau kletterten die Temperaturen sogar in Deutschland, Frankreich, Nordspanien und Italien. Auch der Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt deutlich: Es wird wärmer und Extremwetterlagen nehmen zu. Von 2015 bis 2018 reihen sich die vier heißesten Jahre der Geschichte aneinander, Deutschland verzeichnete 2018 das Jahr mit der höchsten Durchschnittstemperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

IPCC – Weltklimarat

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen), kurz IPCC, wird in deutschsprachigen Medien häufig  als Weltklimarat bezeichnet. 1988 von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO – World Meteorological Organization) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP – United Nations Environment Programme) gegründet, informieren hochkarätige Wissenschaftler aus aller Welt regelmäßig zum Beispiel in den Sachstandsberichten über den Status Quo und die Folgen des Klimawandels und geben den politischen Entscheidungsträgern Handlungsempfehlungen für die Weltgemeinschaft. Am 5. Sachstandsbericht von 2014 haben 830 Autoren mitgearbeitet, darunter 36 Klimawissenschaftler aus Deutschland.

Große Bedrohung

Rund zwei Drittel der Menschen weltweit nehmen die Gefahren der Erderhitzung als „große Bedrohung“ war, so eine Erhebung des US-amerikanischen Pew Research Center – allerdings ist die Wahrnehmung von Land zu Land unterschiedlich stark ausgeprägt.

Extremwetterlagen häufen sich

Die meisten Klimaexperten sind sich einig, dass der Klimawandel Extremwetterereignisse grundsätzlich wahrscheinlicher macht. Zur zurückliegenden Hitzewelle Ende Juni äußerte sich Stefan Rahmstorf, Ko-Leiter der Abteilung Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor an der Universität Potsdam wie folgt: „Während wir in dieser Woche in Europa Temperaturen von möglicherweise bis zu 40 Grad Celsius befürchten, verzeichnete Indien kürzlich Temperaturrekorde von über 50 Grad Celsius. Hitzewellen können eine Gesellschaft hart treffen, etwa indem sie zu zusätzlichen Todesfällen in gefährdeten Gruppen wie bei alten Menschen und Kindern führen. Außerdem kann eine Kombination von heißen und trockenen Bedingungen regional unter Umständen zu Wasserknappheiten und Ernteausfällen führen. Nur eine rasche Reduzierung der Nutzung fossiler Brennstoffe und damit der CO2-Emissionen kann eine weitere verheerende Zunahme der Wetterextreme verhindern, die mit dem menschgemachten Klimawandel zusammenhängen."

1,5 Grad als Obergrenze empfohlen

195 Staaten einigten sich Ende 2015 im Pariser Klimaabkommen auf das Ziel, den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, „da dies die Risiken und Folgen des Klimawandels deutlich vermindern würde.“ Im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts sind die Durchschnittstemperaturen heute bereits um 1 Grad angestiegen. Soll die Begrenzung auf das 1,5 Grad-Ziel erreicht werden, dürfen nach dem Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) von 2018 nur noch 420 Gigatonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen. Legt man den aktuellen globalen Treibhausgasausstoß zugrunde, wäre dieses Budget bereits in neun Jahren aufgebraucht. Etwas mehr Zeit bliebe, wenn die Erderwärmung auf 2 Grad begrenzt wird, dann könnte die Welt noch 26 Jahre die Emissionen wie bisher in die Atmosphäre ausstoßen. Doch das halbe Grad macht einen gewaltigen Unterschied für Menschen, Tiere und Pflanzen, wie der IPCC in seinem Sonderbericht vom Herbst 2018 aufzeigt. Auch der Nachhaltigkeitsforscher Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, erklärte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk: „Ich sage voraus, dass 2018 in die Geschichte eingehen wird, als das erste Jahr, in dem wir vom Planeten die Quittung bekommen. Diese Extremereignisse, angefangen von einer Flut und einer Hitzewelle in Japan, die über 200 Tote forderten, über die außergewöhnlichen Waldbrände in Kalifornien, bis hin zu einem unglaublichen Monsun in Indien… Wir sollten jetzt anerkennen: Wenn das schon bei 1 Grad Erwärmung eintritt, dann wird es bei 1,5 Grad schlimmer sein – und wir sollten 2 Grad auf jeden Fall vermeiden.“

Agrarwirtschaft reagiert

Die sich ändernden klimatischen Bedingungen haben beträchtliche Auswirkungen auf den Agrarsektor. Sie beeinträchtigen den Anbau von Getreide und lassen die Erträge sinken. Das bedeutet, die Agrarwirtschaft muss sich an den Klimawandel anpassen. Zum einem, indem sie Strategien entwickelt, bestmöglich damit umzugehen, zum anderen, indem sie eine aktive Rolle bei der Vermeidung von Treibhausgasen einnimmt. Wie und wo die Agrarwirtschaft konkret gefordert ist und welche Strategien die BayWa entwickelt, lesen Sie in Teil 2 dieses Artikels Klimawandel: Wie sich die Agrarwirtschaft darauf einstellt.

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