Overlay
 
Agrartrend

Sprechende Felder

09.02.2019
 

Ertragssteigerung bei optimaler Qualität und minimalem Ressourcenverbrauch war schon immer ein wichtiges Ziel in der Landwirtschaft. Mit den Methoden des Smart Farming ist dieses Ziel heute näher denn je. Eine dieser Methoden ist die sogenannte teilflächenspezifische Bewirtschaftung von Ackerflächen. Dabei werden detailliertes Pflanzenbauwissen, modernste Landmaschinen- und Steuerungstechnik sowie ausgeklügelte Software kombiniert, um Felder bestmöglich zu bearbeiten. Diese Präzisionslandwirtschaft bringt sie also gewissermaßen zum Sprechen.

Afrika Ende 2018, Mubuyu Farm, 80 Kilometer südlich der sambischen Hauptstadt Lusaka. Zentimetergenau fährt der Schlepper mit dem Düngerstreuer am Heck die einzelnen Teile des Weizenfelds an. Eine digitale Karte rechts vor dem Fahrer Esturd Phiri zeigt exakt an, wieviel Dünger an welcher Stelle ausgebracht werden soll. Präzision im Dienste von Ertragssteigerung, der Schonung des Bodens und des reduzierten Spritverbrauchs. Willkommen in der Welt des Smart Farming!

In dieser Welt verbinden sich Pflanzenbauwissen, Maschinen-Know-how, Energie-Management und Software-Können zu einer eng abgestimmten Prozesskette. Ergebnis: Das Flurstück bringt mehr Ertrag – und das auf lange Zeit. Nachhaltigkeit ist eines der Prinzipien von Smart Farming. Eines der Basis-Instrumente wiederum sind die sogenannten Applikationskarten. Auf ihnen lassen sich minutiös die Bodenverhältnisse des jeweiligen Feldbereichs ablesen. Zusammen mit der Steuerungssoftware bilden die Karten die digitale Grundlage einer Präzisionslandwirtschaft, deren Potenzial enorm ist.

Satelliten-Daten dienen als Rohmaterial für Applikationskarten

Mit den Methoden des Smart Farming lassen sich nicht nur Traktoren mittels GPS zentimetergenau steuern, sondern auch der gesamte Anbauzyklus – von der Feldvorbereitung über die Aussaat bis hin zur Pflege und Ernte. Dabei besonders wichtig: Man geht immer vom Ertragspotenzial einer landwirtschaftlichen Fläche aus. Diese Fläche wird in ihren teilflächenspezifischen Besonderheiten Quadratmeter für Quadratmeter betrachtet und dann entsprechend bewirtschaftet.

Eine solche Bewirtschaftung von Ackerflächen ist in vielen Weltregionen im Kommen. Hierzu dienen Fernerkundungsdaten von Satelliten als Rohmaterial, um Datensätze wie die Applikationskarten oder sogenannte „Talking Fields Base Maps“ zu erstellen. Auf diesen, im übertragenen Sinne „sprechenden“ Karten, lässt sich etwa der Biomasseaufwuchs der letzten Jahre oder auch Jahrzehnte genau darstellen. Daraus können die teilflächenspezifischen Aktionen für Düngung, Aussaat und Pflanzenschutz abgeleitet werden; das heißt, etwas mehr Dünger hier, weniger dort, mehr Wasser hier, weniger dort etc.

 

Projekt „Teilflächenspezifische Aussaat von Mais“

Neben der „Teilflächenspezifische Düngung“ bietet die BayWa auch die „Teilflächenspezifische Aussaat von Mais“ an. Hier kommen Pflanzenbauwissen, Maschinen-Know-how und Software-Expertise der BayWa ideal zusammen. Ein Computerprogramm steuert dabei die Menge der Maissaatkörner, die auf einem Abschnitt des Feldes ausgebracht werden. Kein Saatkorn zu viel an Stellen, an denen der Boden nicht so viel hergibt – und kein Saatkorn zu wenig an Stellen, die besonders fruchtbar sind. Komponenten für diese Präzisionslandwirtschaft sind eine ausgeklügelte landwirtschaftliche Software, eine Sämaschine mit Eingabeeinheit und die Applikationskarten, die die Qualität des Flurstücks detailgenau beschreiben. Moderne satellitenbasierte Fernerkundungstechnik und digitale Kartografie-Technik machen es möglich.

Newsmail

Unsere Newsmail abonnieren und nichts mehr verpassen!

Führende Regionen bei der teilflächenspezifischen Bewirtschaftung sind die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Andere Regionen holen jedoch auf, wie zum Beispiel Afrika.

Mit der teilflächenspezifischen Bewirtschaftung erreicht der Landwirt einen deutlich höheren Deckungsbeitrag pro Hektar, indem er den Saatguteinsatz optimiert. Gleiches gilt für den Dünger- und Wassereinsatz sowie die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln, was neben dem ökonomischen Effekt auch positive ökologische Auswirkungen hat. Auf der Mubuyu Farm in Sambia war die teilflächenspezifische Bewirtschaftung jedenfalls 2018 ökonomisch ein voller Erfolg: Obwohl der Betrieb aufgrund von zu hoher Trockenheit in den vergangenen Jahren rund ein Drittel weniger Wasser zur Verfügung hatte als im Vorjahr, konnte er durch gezielte Bewässerung bis zu 25 Prozent mehr Weizen ernten. Gleichzeitig wurde weniger Wasser und Energie, die zum Antrieb der Bewässerungstechnik dient, verbraucht.

Rentabel ab einer Fläche von zwei Hektar

Bis vor Kurzem war die Erstellung der Rohdaten und der Applikationskarten noch sehr aufwendig und teuer, sodass sich teilflächenspezifische Bewirtschaftung nur für sehr große Flächen rechnete. Durch Fortschritte in der Fernerkundung – und damit auch in der Erstellung von Daten – hat sich viel geändert: Heute sind auch Ackerflächen ab zwei Hektar rentabel teilflächenspezifisch zu bewirtschaften.

Am weitesten bei dieser Art der Bewirtschaftung ist der Bereich Düngung, aber auch bei der Aussaat gibt es mittlerweile große Fortschritte. Besonders vielversprechend erwiesen sich in den letzten Jahren Aussaatversuche mit Mais (siehe Kasten). Der teilflächenspezifische Pflanzenschutz auf Basis von Satellitendaten ist dagegen eher noch in der Erprobungsphase. Aber auch hier arbeiten Experten daran, durch den ortsspezifisch variablen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich weniger Herbizide ausbringen zu müssen.

Keine Frage, die teilflächenspezifische Bewirtschaftung hat das Versuchsstadium verlassen und in nächster Zeit werden sicher immer mehr neue Geschäftsmodelle angeboten werden. Von der bereits vorhandenen Ausrüstung her ist nach Expertenmeinung gut ein Drittel aller deutschen landwirtschaftlichen Betriebe für eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung fit. Smart Farming ist also beileibe kein bloßes Exportmodell. Esturd Phiri, der Traktorfahrer auf der Mubuyu Farm, hat schon heute in Deutschland viele Kollegen. Und es werden immer mehr.